Stell dir vor, es ist Wochenende und bist mit Freund*innen am Abend in Schopfheim etwas essen. Anschließend soll es noch in eine Kneipe gehen. Aber das geht nicht, denn du wohnst beispielsweise auf dem Salzert in Lörrach. Du musst dich schon um 21.45 Uhr verabschieden, weil du sonst nicht mehr nach Hause kommst. Trotzdem musst du dann noch fast 40 Minuten auf deinen Bus warten. Nicht nur als Frau kann das in der Nacht eine Situation sein, die Unbehagen bereitet – und die mit einer guten Planung eigentlich vermeidbar wäre.
Dass der Busverkehr wie im genannten Fall nicht mit dem S-Bahn-Verkehr abgestimmt ist, ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, dass der Lörracher Nahverkehr an den Bedürfnissen der Bürger*innen vorbeigeplant ist. Insbesondere für Bürger*innen in entlegeneren Stadteilen. Ihr Bedarf wird hinten an gestellt.
Aber dort hört es nicht auf: Verspätungen sind an der Tagesordnung, weil Verkehr , Baustellen oder 30er-Zonen im Stadtverkehr nicht mitbedacht werden. Fälle von Fahrgästen, die an Haltestellen stehengelassen werden sind auch keine Seltenheit. Fahrer die beim Wechsel von Linien die falsche Route fahren, was dazu führt, dass Haltestellen nicht bedient werden. Die Liste von Beschwerden von Fahrgästen ließe sich noch lange weiterführen. Zwischendurch gibt es Phasen, da läuft es besser. Doch diese Phasen sind nur kurz.
Was sind die Folgen?
Für eine Stadt wie Lörrach, die zum Basler Ballungsgebiet gehört, die Kreisstadt ist und auch lebenswert sein will, ist das ein Armutszeugnis. Gerade durch den Blick über die Grenze zu unseren Nachbarn, wo gezeigt wird, dass es besser gehen kann, stellt sich die Situation vom ÖPNV in Lörrach noch frustrierender dar. Eine der Folgen ist, dass die Stadt Lörrach, trotz diverser Bemühungen in der Stadtentwicklung, wie das viel gebaut und saniert wird, weniger lebenswert wird.
Kulturangebote können schlechter genutzt werden, gerade an Wochenenden. Junge Menschen, die keinen Führerschein haben, oder sich diesen nicht leisten können, werden vom sozialen Leben ausgeschlossen. Ältere Menschen, Renter*innen, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, weil sie kein Auto mehr fahren können, werden zusätzlich belastet.
Gerade mit dem Blick auf die Fertigstellung des neuen Zentralklinikums, an der nördlichen Stadtgrenze in Lörrach, wird die Dringlichkeit noch deutlicher. Es darf nicht sein, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung durch einen schlecht geplanten ÖPNV erschwert wird. Für Menschen, die gesundheitlich angeschlagen sind, einen kleineren Notfall oder körperliche Beeinträchtigungen haben, ist es eine Zumutung, mehrmals Umsteigen zu müssen, immer wieder Wartezeiten an Haltestellen zu haben oder im schlimmsten Fall sogar zu spät oder gar nicht zu einem Termin zu kommen, weil die Verantwortlichen durch Misswirtschaft und Fehlern im Management, den Busverkehr nicht organisiert bekommt.
Was muss sich ändern?
Zunächst einmal sollten bei der Planung die Bürger*innen gehört werden. Ein Beispiel: Die Wallbrunnstraße. In einem Bürgerbeteiligungsverfahren wünschten sich Bürger, dass endlich die Wallbrunnstraße in den Stadtverkehr eingebunden wird. Ein weiterer Wunsch war die bessere Anbindung an Rheinfelden. Der Salzert wie der Hägelberg würden von der Anbindung profitieren. Doch passiert ist nicht viel. Die Wallbrunnstraße wird immer noch nicht durch die Stadtbusse bedient.
Aber wenn der ÖPNV nicht für die Menschen da ist, für wen dann?
„Das ZKL wird voraussichtlich Anfang 2027 eröffnet. Da es keinen S-Bahnanschluss gibt, hat die Stadt ein neues Buskonzept erstellt. Nach diesem neuen Konzept verkehren die Busse dann ab dem nächsten Fahrplanwechsel Mitte Dezember. Leider finden sich auch im neuen Buskonzept wieder typische Fehler, die zu Verspätungen und Ausfällen führen, Taktungen sind auch zukünftig suboptimal aufeinander abgestimmt und der Bedarf zur Erweiterung von Zeiten und Linienführungen, findet keine Berücksichtigung. Für einen bedarfsgerechten müsste es noch vor Einführung des neuen Konzepts eine Bedarfsabfrage der Fahrgäste geben. So könnten die alten Kardinalfehler im Konzept vermieden werden und der Busverkehr würde mit bedarfsgerechten Linien Ende des Jahres gleich attraktiv in die Zukunft starten. Bedauerlicherweise plant die Stadt genau das nicht. Eine Prüfung der Linien ist erst nach einem Jahr Konzeptlaufzeit geplant. In der Zeit machen die Menschen weiterhin ihre Erfahrungen mit dem Bus. Und die sind oft nicht gut. Zukünftig gibt verkehrt ein Shuttle-Bus ab Brombach Bahnhof zum ZKL. Einzig die Stadtbuslinie 6 soll durchgehend zum ZKL verkehren. Aber das auch nur unter der Woche, von Montag bis Samstag. Sonntags verkehrt dann die Linie 7 ohne Umstieg zum ZKL. Außerdem wird die Linie 7 zukünftig bis zum Brombacher Bahnhof verlängert. Dabei soll sie auch über den Bühl verkehren, der bisher über die Linie 6 und 10 angebunden ist. Fahrpläne sollten einfach zu verstehen sein. Am besten selbsterklärend. Bei der jetzigen Planung sehen wir davon leider nichts.
„Nicht nur junge Leute, die in der Zeit volljährig werden, werden sich bei unattraktiven Mobilitätsbedingungen eher gegen den ÖPNV entscheiden, den Führerschein machen und sich ein Auto anschaffen. Gleichzeitig sprechen alle von der immer älter werdenden Gesellschaft. Wie fatal also, heutige Lebensbedingungen und die damit verbundenen Veränderungen im Mobilitätsbedarf zu ignorieren. Es geht um Daseinsvorsorge. Alle sollten ihr Recht auf Unabhängigkeit leben können!
Deswegen wäre es wichtig, dass die Stadt die Zeit vor dem Fahrplanwechsel noch für eine Befragung zu Erfahrungen der Fahrgäste nutzt. dem Ziel, alte wie neue Defizite und Fehler bei der Planung zu vermeiden
könnten so im statt das Risiko einzugehen, dass noch mehr Menschen sich vom ÖPNV abwenden“, sagt Sabin Schumacher von den PIRATEN, Mitglied im Gemeinderat Lörrach
Das ZKL wird voraussichtlich Anfang 2027 eröffnet. Da es keinen S-Bahnanschluss gibt, hat die Stadt notgedrungen ein neues Buskonzept erstellt. Nach diesem neuen Konzept verkehren die Busse dann ab dem nächsten Fahrplanwechsel Mitte Dezember’26. Leider finden sich auch im neuen Buskonzept wieder diverse Defizite, die zu Verspätungen und Ausfällen führen werden. Echte Verbesserungen sind für uns Piraten bislang nicht erkennbar. Abfahrtzeiten erscheinen zwar regelmäßiger, doch gibt es auch im neuen Konzept schlecht aufeinander abgestimmte Anschlüsse, selbst beim Anrufsammeltaxi (AST). Und jeglicher Bedarf zur Erweiterung von Linienführungen und Verbindungen, um auch in den sogenannten Randzeiten mit dem Bus mobil und unabhängig von anderen zu sein, findet keine Berücksichtigung. Dabei sind auf den Bedarf zugeschnittene Busverbindungen wichtig für die Menschen. Sie machen den Nahverkehr attraktiv. Deswegen wäre es so wichtig, noch vor Einführung des neuen Konzepts eine Bedarfsabfrage der Fahrgäste zu veranlassen.
So könnten Erfahrungswerte wie Bedarfe der Fahrgäste im Alltag wie auch in der Freizeit mit einfließen und alte Kardinalfehler im neuen Konzept gleich vermieden werden. Der Busverkehr könnte so gleich mit sehr viel bedarfsgerechteren Linien als heute in die Zukunft starten. Bedauerlicherweise plant die Stadt genau das jetzt nicht. Eine Prüfung der Linien wird in die Zukunft verschoben. Sie ist erst nach einem Jahr Konzeptlaufzeit geplant. In der Zeit machen die Fahrgäste weiterhin ihre Erfahrungen mit dem Bus. Sind die weiterhin nicht gut, spricht sich das herum. Gerade junge Leute, die in der Zeit volljährig werden, werden sich bei solchen Mobilitätsbedingungen, dann eher gegen den ÖPNV entscheiden, den Führerschein machen und ein Auto anschaffen.
In einer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir einen guten, attraktiven und zuverlässigen ÖPNV. Menschen sollten die Möglichkeit haben, unabhängig von anderen am Leben teilzuhaben! Deswegen appellieren wir an die Stadt, die Zeit vorher jetzt zur Befragung der Fahrgäste, zu den Linien zu nutzen, statt das Risiko einzugehen, dass sich noch mehr Menschen vom ÖPNV abwenden.
Es gibt viele Punkte, die wir deshalb nun von der Stadt und SWEG fordern. Dies sind die wichtigsten:
* Anbindung der Stadtteile Salzert und Hägelberg auch über die „Wallbrunnstraße“, z. B. über die Linie 7
* Salzertlinie 17 zum Tüllinger über Stetten mit Anbindung von Stetten-Süd
* Linie 7 täglich durchgehend bis zum ZKL
* durchgehende Anbindung aller Stadt- und Ortsteile mit dem Bus ans ZKL, alternativ ein Konzept mit zwei Linien zum ZKL und optimalen Umstiegszeiten aller Linien am Lörracher Busbahnhof
* Vermeidung von Bahnquerung der Buslinienführungen, stattdessen ausschließlicher Verkehr über die Umgehung in Stetten-Süd (Dammstraße) und Innenstadt-Unterführung
* Ausbau von Busvorangschaltungen
* Taktung/Anschlüsse/Umstiegszeiten: bei der letzten S-Bahn-Verbindung von Schopfheim nach Basel, gibt es keinen Anschluss mehr zu den hochgelegenen Stadtteilen. Hier sollte dringend die Taktung beachtet werden, damit es wenigstens mit dem AST klappt.
* Am Wochenende (Samstag/Sonntag/Feiertags): Ein Anschluss-AST für alle Stadt- und Ortsteile ab Lörrach-Stetten und Lörrach-Hbf für die beiden Nachtverbindungen von Basel kommend. Es sollte ca. 8 – 10 Minuten nach Ankunft der S-Bahn am Bahnhof einen Anschluss geben.
* Zur Vermeidung von Verspätungen: Keine Fahrscheinkontrolle mehr durch das Fahrpersonal
Zur Vermeidung von Verspätungen: Öffnung aller Türen für den Zustieg der Fahrgäste
* Das die Mitnahme von Fahrrädern im Bus zu den hochgelegenen Stadtteilen erlaubt ist, muss dem Fahrpersonal als auch Fahrgästen gegenüber besser kommuniziert werden. Es sollte über die Homepage der SWEG, vom RVL und der Stadt Lörrach, die Aushänge an den Haltestellen + über Aufkleber in den Bussen kommuniziert werden.
* Ausbau AST zum Rufbus
